Viele Motive kehren in der Literatur immer wieder. Dazu gehört auch die Erfahrung zum Außenseiter zu werden. Im Französisch-Grundkurs der E-Phase von Anette Wissel stand in der letzten Klausur des Schuljahres 2025/2026 der Roman „Il faut sauver Saïd“ im Mittelpunkt. Darin geht es um die Erfahrungen des 10-jährigen Jungen namens Saïd, der nach dem Wechsel ans Collège als strebsamer Schüler ausgegrenzt wird.
In den letzten Unterrichtsstunden des Schuljahres 2025/2026 beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler mit einem regionalen Beispiel von Ausgrenzung: dem Leben von Norbert Westheimer. Grundlage bildeten ein Brief Westheimers an den ehemaligen Schulleiter Wolfgang Gebhardt, der sich besonders für die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Rimbach interessierte und ein gut recherchiertes, lesenswertes Buch darüber verfasste, sowie eine E-Mail seines Sohnes an Anette Wissel. So gewannen die Lernenden Einblicke in das Leben des 1922 in Rimbach geborenen und 2016 in Kalifornien verstorbenen Norbert Westheimer.
Am Mittwoch, den 17.Juni 2026 nahm die Gruppe an einer Führung durch Rimbach geleitet vom zweiten Vorsitzenden des Vereins „Erinnern – Gegen das Vergessen“ Dr. Michel Löhden teil. Ausgangspunkt war die Gedenktafel anlässlich des 50. Jahrestages der Reichspogromnacht auf dem Schulhof der Martin-Luther-Schule. Weiter ging es zu den Hinweisschildern über die jüdischen Klassen. Auf einem der Bilder ist auch Norbert Westheimer als 10-jähriger zu sehen.
Die dritte Station war die ehemalige Synagoge, in der Norbert Westheimer im Alter von 13 seine Bar-Mizwar feierte. Ein Schüler verlas an dieser Stelle den Text aus der Tora, den der Junge an seinem Feiertag vorgetragen hatte, in der es um Abrahams Suche nach einem Grab von Sarah ging. Die Teilnehmenden erfuhren außerdem, dass Westheimer 1980 im Rahmen einer Europareise mit seiner Frau an diesen Ort zurückkehrte und erstaunt feststellte, dass an der damaligen Kirche kein Hinweis auf ihre frühere Funktion als Synagoge angebracht war.
Den Abschluss bildete der Besuch des jüdischen Friedhofs. Dort suchte die Gruppe das Grab von Norbert Westheimers Mutter Fanny Westheimer, geborene Monatt, die bereits 1928 im Alter von 40 Jahren verstarb. Ihr Sohn war zu diesem Zeitpunkt erst fünf Jahre alt.
Nach der Führung bedankten sich die Schülerinnen und Schüler herzlich bei Dr. Michel Löhden für die anschaulichen und detailreichen Erläuterungen. Es bleibt zu hoffen, dass die Zusammenarbeit zwischen dem Verein „Erinnern – Gegen das Vergessen“ und der Martin-Luther-Schule Rimbach auch in Zukunft fortgeführt wird.
In der folgenden Französischstunde hat eine Schülerin des Kurses zurückgemeldet, dass „es interessant ist, Genaueres über die Geschichte der Juden in Rimbach zu erfahren, insbesondere weil wir uns genau an diesem Ort befinden. Sich auf eine einzelne Person, Norbert Westheimer, zu konzentrieren, hat noch mal neue Details über die damalige Zeit ans Licht gebracht und hat sich somit von dem bisherig Gelernten in Religion, Deutsch und Geschichte unterschieden.“ (WSL)