Am Reformationstag wurde an der Martin-Luther-Schule ein besonderer Ort eröffnet: der neue Schulseelsorgeraum. Die Initiative dazu ging von Religionslehrerin und Schulseelsorgerin Sabrina Scholz-Benischke aus, die das Projekt gemeinsam mit Schulpfarrer Daniel Fritz über mehrere Monate hinweg vorbereitet hatte. Seit dem Frühjahr 2025 wurde an der Idee gearbeitet, Schülerinnen und Schüler wurden beteiligt, und durch eine Crowdfunding-Aktion konnte die Ausstattung finanziert werden.
Zur Einweihung waren zahlreiche Gäste in die Schule gekommen, darunter Landrat Christian Engelhardt, Schulleiter Frederik Weis, Silke Hagemann vom Kirchlichen Schulamt Darmstadt, Christian Joss von der Volksbank Weschnitztal sowie Vertreterinnen und Vertreter des Freundeskreises, des Schulelternbeirats, der Schülervertretung und des Kollegiums. Musikalisch umrahmt wurde die Feier von den „Voice Boys“ unter der Leitung von Patrick Schilling, die mit „The Sound of Silence“ einen stimmungsvollen Auftakt setzten.
Zu Beginn der Feier hieß Scholz-Benischke die Gäste willkommen und stellte den neuen Raum vor. Er solle ein Ort sein, an dem Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Mitarbeitende zur Ruhe kommen, sich austauschen, nachdenken oder einfach für einen Moment durchatmen können – ein Raum der Begegnung mit sich selbst, mit anderen und mit Gott. In Anlehnung an Michael Endes Roman „Momo“ sprach sie über den Wert der Zeit und darüber, dass sie mehr sei als der bloße Ablauf von Stunden und Minuten. Wer versuche, sie ständig zu sparen, laufe Gefahr, das Wesentliche aus dem Blick zu verlieren. Der neue Raum solle dagegen helfen, Zeit bewusst zu erleben und wieder neu zu entdecken.
Im Anschluss daran vertiefte Schulpfarrer Daniel Fritz diese Gedanken. Eine Lesung aus „Momo“ diente ihm als Ausgangspunkt, um über besondere Momente im Leben zu sprechen, die sich nicht erzwingen, aber ermöglichen lassen. Der neue Raum, so seine Deutung, könne solche Augenblicke fördern – durch Gespräch, Gebet, Lachen oder Stille. Als Sinnbild für dieses Innehalten verwies Fritz auf den Herbst, der zum Nachdenken und zum Sammeln von Farben und Eindrücken einlade. In einer kurzen Phase des stillen Nachdenkens gab er den Gästen Raum, diesen Gedanken nachzuspüren.
Nach dieser Besinnung galt der Dank den vielen Menschen, die das Projekt unterstützt hatten. Schulleiter Frederik Weis habe die Idee von Beginn an gefördert, betonte Scholz-Benischke. Der Schulträger, der Freundeskreis und die Volksbank Weschnitztal, die die Spendensumme verdoppelte, hätten die Realisierung ebenso ermöglicht wie zahlreiche Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte, die sich mit Ideen und Gestaltungsbeiträgen eingebracht hätten.
Von Seiten des Kreises Bergstraße würdigte Landrat Christian Engelhardt das Engagement der Schulgemeinschaft. Die Wahl des Reformationstags als Datum der Einweihung sei besonders passend, da auch dieser Tag für Mut, Veränderung und Verantwortung stehe. Engelhardt hob hervor, dass ein solcher Ort der Stille und Besinnung innerhalb des „Action-Ortes“ Schule eine wertvolle und im Kreis einzigartige Ergänzung darstelle.
In seiner Ansprache erinnerte Schulleiter Frederik Weis an die Geschichte des Raumes. Er war früher der Religionsraum des 2023 verstorbenen Schulpfarrers Justus Keller, der ihn als Ort der Begegnung und Diskussion geprägt hatte. Nach dessen Tod sei mit Geduld und Engagement daran gearbeitet worden, den Raum in neuer Form weiterzuführen. Weis dankte neben Scholz-Benischke und Pfarrer Fritz dem Schulträger, dem Freundeskreis, der Volksbank sowie dem Kunstlehrer Gabriel Gruß, der mit Schülerinnen und Schülern in einem Kunstprojekt Bilder für den Raum gestaltete.
Besonders hervorgehoben wurde die Bedeutung des Projekts auch durch Silke Hagemann vom Kirchlichen Schulamt Darmstadt. Sie unterstrich, dass die Entstehung eines solchen Raumes Zeit, Geduld und gemeinsames Nachdenken erfordere. Schulseelsorge wirke oft im Verborgenen, trage aber wesentlich dazu bei, Menschen in schwierigen Phasen zu begleiten und das Miteinander zu stärken. Der neue Raum, bewusst etwas abseits des Trubels gelegen, sei kein Fachraum, sondern ein besonderer Ort der Unterstützung und Ruhe.
Zum Abschluss der Feier betonte Christian Joos von der Volksbank Weschnitztal den Gemeinschaftsgedanken des Projekts. Es entspreche dem genossenschaftlichen Prinzip, Orte zu fördern, die Menschen verbinden und ihnen Kraft geben.
Der neue Schulseelsorgeraum steht nun allen Mitgliedern der Schulgemeinde offen – als Raum zum Innehalten, für Gespräche, Gebet und stilles Nachdenken.