Beim jährlichen Online-Elternabend zur Medienerziehung für die fünften Klassen der Martin-Luther-Schule Rimbach informierte Medienpädagogin Michaela Weiß vom Verein Blickwechsel über aktuelle Entwicklungen, Chancen und Risiken im Medienalltag von Kindern. Organisiert wurde die Veranstaltung von Lehrer Christian Gärtner.

Gleich zu Beginn verwies Weiß auf Ergebnisse der KIM-Studie: WhatsApp ist auch unter den Jüngsten nach wie vor das am häufigsten genutzte Medium – obwohl die App erst ab 13 Jahren freigegeben ist. Die Referentin machte deutlich, dass die Nutzung einige Herausforderungen mit sich bringt: problematische Gruppenchats, Beleidigungen, Cybermobbing, schnelle Bildverbreitung und rechtsextreme Codes, die Kindern in Gruppenchats begegnen können. Hinzu komme der neue Meta-AI-Dienst, der nicht deaktiviert werden könne und zu vorsichtigem Umgang mit privaten Inhalten mahne. Als datenschutzfreundlichere Alternativen nannte Weiß die Apps Signal und Threema.

Breiten Raum nahmen weitere beliebte Plattformen ein. TikTok etwa biete eine enorme Vielfalt – von kreativen Ideen bis hin zu riskanten Inhalten. Filter, starke Selbstdarstellung und der schnelle Takt von Kurzvideos beeinflussten Kinder spürbar. Eltern könnten über bestimmte Einstellungen etwas gegensteuern, müssten aber wissen, was ihre Kinder anschauen und die Mediennutzung aktiv begleiten. Snapchat sei wegen der vermeintlich verschwindenden Inhalte besonders tückisch, während YouTube offiziell erst ab 16 Jahren erlaubt sei; YouTube Kids werde jedoch oft schon von älteren Grundschülern als uncool empfunden. Die sehr schnellen YouTube Shorts könnten die Aufmerksamkeitsspanne zusätzlich beeinträchtigen.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf digitalen Spielen. Weiß warnte vor unterschätzten Risiken bei Plattformen wie Roblox, das seit Januar erst ab 16 Jahren freigegeben ist. Kinder begegneten dort völlig unterschiedlichen Spielwelten, teils mit Gewalt oder sexuellen Inhalten. Zudem setzten Belohnungssysteme und In-App-Käufe viele Kinder unter Druck. Über offene Chats könnten Erwachsene leicht Kontakt aufnehmen – Cybergrooming sei auch hier ein reales Problem. Weiß empfahl dringend, Jugendschutzeinstellungen zu nutzen und sich auf Seiten wie „Medien kindersicher“ oder dem Spieleratgeber NRW zu informieren. Auch rechtliche Fragen spielten eine Rolle: Das Recht am eigenen Bild gelte selbstverständlich auch für Kinder. Ab etwa acht Jahren sollten Eltern ihre Kinder fragen, bevor Fotos veröffentlicht werden.

Weiß ermutigte die Eltern, klare Regeln festzulegen, auf bildschirmfreie Zeiten zu achten und gemeinsam zu besprechen, welche Art von Mediennutzung sinnvoll ist – etwa kreative Projekte statt reinem Konsum. Die Referentin stellte hilfreiche unterstützende Angebote vor, auf die Eltern zurückgreifen können, und gab zum Abschluss noch grundsätzliche Tipps für digitales Wohlbefinden, die durchaus auch Erwachsene beherzigen sollten. Nach der Gelegenheit zum Stellen weiterer Fragen bedankten sich die Eltern schließlich für den sehr informativen Vortrag, der Einblicke in die Medienwelt ihrer Kinder und wertvolle Orientierung bot.

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